Haben Sie schon einmal jemanden in den sozialen Medien, in einem Gruppenchat oder im Gespräch sagen hören: „Mein Partner interessiert sich überhaupt nicht dafür – wie kann ich ihn/sie dazu bringen, BDSM auszuprobieren?“ Und dann fragen Sie sich beim Zuhören: Für wen ist BDSM geeignet? Kann mein Partner es ausprobieren? Werde ich gleich als „Perverser“ abgestempelt, sobald ich das Thema anspreche?
Keine Eile. Heute sprechen wir darüber, wie Sie die Neugier Ihres Partners auf BDSM auf ganz unkomplizierte Weise wecken und Ihre Beziehung vom „Alltag“ zu „etwas aufregender und abwechslungsreicher“ gestalten können. Wir werden auch diese scheinbar tabuisierten Fragen offen ansprechen – sie sind gar nicht so schwer zu besprechen, wie es scheint.
Warum interessieren sich immer mehr Menschen für BDSM?
Eines ist klar: BDSM ist weder das exklusive Gebiet einiger weniger Menschen, noch ist es gleichbedeutend mit „Perversion“.
Eine Umfrage von 2023 auf Zhihu (einer chinesischen Frage-Antwort-Website) ergab, dass 57 % der Befragten neugierig auf BDSM/SM waren oder es ausprobieren wollten, aber weniger als ein Drittel traute sich, offen darüber zu sprechen. Der Grund ist einfach: Angst vor Ablehnung, Angst vor Spott und Angst, die vertraute Atmosphäre zwischen zwei Menschen zu zerstören.
Wie der Psychologe Eliot Aronson einmal sagte: „Neues ist der natürliche Anreiz für Intimität.“ Selbst wenn man ein sehr konventionelles Leben führt, ist der Wunsch nach Aufregung und Abenteuer nicht geringer als der eines erfahrenen Partners. Manche Menschen erkunden BDSM/SM aktiv, während andere eher bereit sind, Dinge mit ihrem Partner auszuprobieren.

Ist BDSM angeboren? Kann das Interesse eines Partners geweckt werden?
Hier ist eine wenig bekannte Tatsache: BDSM-Interessen sind kein angeborener „genetischer Defekt“. Bei vielen Menschen werden BDSM-Neigungen allmählich im Rahmen von Emotionen, Sicherheit und Vertrauen geweckt.
Eine Studie (zitiert aus Steve Browns Experiment von 2017) untersuchte 120 Paare, die leichte Fesselspiele mit verbundenen Augen und verbalen Anweisungen erlebten. Die Ergebnisse zeigten, dass 65 % der Paare, die anfangs nichts empfanden, nach der Erfahrung eine gesteigerte sexuelle Zufriedenheit erlebten. Darüber hinaus war das Verhältnis von Männern zu Frauen, die bereit waren, es auszuprobieren, nahezu ausgeglichen.
Mit anderen Worten: BDSM kann als Potenzial entwickelt werden, vorausgesetzt, man kommuniziert miteinander, vertraut einander und bewahrt sich die Neugier. Wie beim Schwimmenlernen ist man anfangs nervös, aber es ist ganz natürlich, verschiedene Praktiken ausprobieren zu wollen, sobald man sich daran gewöhnt hat.
Wie findet man heraus, ob der Partner „BDSM-Potenzial“ hat?
1. Achte auf kleine Details im Alltag
Wenn dein Partner es genießt, sich im Leben von dir führen zu lassen oder dir gelegentlich die Führung überlässt (z. B. bei der Kleiderwahl oder der Planung von Terminen), könnte er/sie neugierig auf das Gefühl sein, kontrolliert zu werden. Auch gelegentliche Aussagen wie „Du übernimmst die Führung“ oder „Du entscheidest“ im Bett sowie die Fähigkeit, leichte Bestrafungen oder Scherze zu akzeptieren, können Hinweise darauf sein. Ebenso bemerkenswert ist es, wenn er/sie Lob für „gutes Benehmen“ genießt oder sich für Kontraste interessiert.
2. Taste dich im Gespräch vorsichtig vor.
Vermeidet dein Partner das Thema BDSM-Szenen in Filmen, Fernsehsendungen oder Witzen, fühlt er/sie sich unwohl, macht er/sie sich darüber lustig oder zeigt er/sie Neugierde? Empfindet er/sie Situationen, in denen er/sie sich etwas schüchtern fühlt (z. B. beim Händchenhalten in der Öffentlichkeit erwischt zu werden oder von dir zu Hause „angeleitet“ zu werden), aufregend oder peinlich und unangenehm?
3. Persönlichkeitsmerkmale
Neugierige und abenteuerlustige Menschen sind eher bereit, neue Spielweisen zu akzeptieren; Paare mit einem starken Vertrauensverhältnis sehen BDSM eher als Bereicherung der Intimität denn als Belastung.
Vier Schritte, um das Interesse an BDSM zu wecken
Schritt 1: Kommunikation – Seien Sie ehrlich, aber nicht abrupt.
Beginnen Sie nicht damit, Handschellen zu übergeben oder plötzlich zu sagen: „Heute Abend übernehme ich die Führung“, da dies leicht eine unangenehme Atmosphäre erzeugen kann. Der richtige Ansatz ist eher eine Einladung als ein Befehl.
Praktische Tipps:
- Wählen Sie einen entspannten Moment, zum Beispiel beim gemeinsamen Anschauen von kurzen Videos oder beim Plaudern, und fragen Sie vorsichtig: „Findest du es interessant, ein wenig eingeschränkt/kommandiert zu werden?“
- Nutzen Sie Ihre Neugier, um vorzuschlagen, anstatt zu befehlen: „Wollen wir etwas Neues ausprobieren? Ich habe gehört, dass viele das aufregend finden.“
Tipp: Die American Psychological Association empfiehlt, dass sexuelle Themen eher akzeptiert werden, wenn sie außerhalb des Schlafzimmers besprochen werden.
Schritt 2: Beginnen Sie mit den Grundlagen und steigern Sie sich langsam.
Stürzen Sie sich nicht gleich in extreme Spielformen. Beginnen Sie mit risikofreien, unkomplizierten Erfahrungen; so können sich beide Partner leichter entspannen und Interesse entwickeln.
Die 3 besten Spielfunktionen für Anfänger:
- Augenbinde – Die Ungewissheit, was als Nächstes passiert, ist an sich schon aufregend. Eine Krawatte oder ein Schal eignen sich dafür.
- Verbale Kontrolle – Geben Sie beispielsweise leise kleine Aufgaben: „Ich kümmere mich heute Abend um alles“ oder „Schließ deine Augen für zehn Sekunden“. Erleben Sie das Gefühl, kontrolliert zu werden oder die Kontrolle zu haben.
- Leichte Fesselung – Ihre Hände mit einem Schal zu fesseln oder sanft zu drücken, sind gute Einstiegsmöglichkeiten; es entstehen keine Schmerzen oder psychischer Druck.
Sie können Elemente von „kleinen Belohnungen oder Bestrafungen“ einbauen: Belohnen Sie das Erledigen der Aufgabe (Kuss, Lob) und bestrafen Sie einen Fehler (zum Lachen gebracht werden, eine kleine Geste machen). Betrachten Sie das Ganze eher als ein kleines Spiel zwischen Paaren denn als ein ernstes Ritual.
Schritt 3: Sensibilitätstest – Beobachten Sie jederzeit die Reaktion Ihres Partners.
Jede BDSM-Aktivität erfordert aufmerksames Beobachten der Reaktionen des Partners/der Partnerin: Ist er/sie nervös, ablehnend oder neugierig und aufgeregt? Möchte er/sie es noch einmal versuchen? Oder probiert er/sie es nur aus Höflichkeit aus und möchte nicht weitermachen?
Das Festlegen von Sicherheitswörtern ist sehr wichtig. Vereinbaren Sie Wörter wie „Rotes Licht“, „Stopp“ oder „Nicht“. Sobald diese Wörter ausgesprochen sind, muss sofort aufgehört werden, damit sich beide Partner sicher fühlen.
Schritt 4: Schrittweise Steigerung, Vertrauensaufbau und Entwicklung eines Rituals
Sobald Sie sich mit den Grundlagen wohlfühlen, können Sie nach und nach weitere Elemente erkunden: Sexspielzeug (Federn, Handschellen, Halsbänder usw.), Rollenspiele (z. B. „dominant/submissiv“-Szenarien) und das gemeinsame Festlegen von Grenzen und Tabuzonen. Alle Steigerungen müssen in offener Kommunikation und im gegenseitigen Einvernehmen erfolgen, um das Vertrauen nicht zu gefährden.

Praxisbeispiel: Paare, die mutig den ersten Schritt wagen
„Meine Partnerin war anfangs sehr schüchtern, aber als ich beiläufig vorschlug: ‚Willst du es mal mit verbundenen Augen versuchen?‘, holte sie sofort einen Schal und war später sogar noch verspielter als ich.“ – Nutzerin „Xiao Q“
„Ich dachte immer, BDSM sei extrem, aber ich hätte nicht gedacht, dass uns die lockeren Fesseln und die passenden Anweisungen so nah bringen würden. Nach dem Spielen umarmen wir uns immer und sprechen über unsere Gefühle, und mein Sicherheitsgefühl ist enorm gestiegen.“ – Geteilt in der Douban-Gruppe
Studien zeigen, dass Paare, die bereit sind, gemeinsam neue Spielformen auszuprobieren, eine deutlich höhere sexuelle Zufriedenheit und emotionale Intimität erleben (Daten aus dem Journal of Sexology, 2021).
Was tun, wenn der Partner/die Partnerin wirklich kein Interesse hat?
Nicht jeder wird sofort darauf eingehen, und nicht jede Beziehung braucht BDSM-Neigungen. Wichtig sind Respekt und Kommunikation: Man kann seine Bedürfnisse äußern, sollte den anderen aber nicht dazu zwingen.
Wenn Ihr Partner/Ihre Partnerin deutlich Abneigung äußert, erzwingen Sie nichts. Sie können andere, akzeptable Aktivitäten ausprobieren (z. B. Sexspielzeug verwenden oder die Umgebung verändern) oder das Tempo drosseln und sich gegenseitig Zeit zur Eingewöhnung geben.
Fazit
BDSM ist kein abschreckendes Etikett und auch nicht nur wenigen Auserwählten vorbehalten. Es ist eine Möglichkeit, innerhalb einer intimen Beziehung Neues zu entdecken – ein aufregendes Abenteuer, das auf Vertrauen, Respekt und Neugier basiert. Wenn Sie das Interesse Ihres Partners/Ihrer Partnerin an BDSM wecken möchten, beginnen Sie mit Neugier und sanftem Herantasten, Schritt für Schritt. Lassen Sie sich nicht von Scham oder Missverständnissen davon abhalten, neue Wege der Intimität zu erkunden.
Denn tiefste Intimität entsteht oft in dem Moment, in dem beide Partner bereit sind, gemeinsam Neues auszuprobieren.